Mit der Leica in den Urlaub? Ein Selbstversuch an der Ostsee

Mit der Leica in den Urlaub? Ein Selbstversuch an der Ostsee

Nur eine Kamera, drei Festbrennweiten und kein Zoomobjektiv in Sicht – kann das gut gehen?

Bislang hätte ich bei diesem Gedanken wahrscheinlich nur müde gelächelt und anschließend mindestens zwei Kameras samt einer Auswahl an Zoomobjektiven in die Fototasche gepackt. Man weiß ja nie! Schließlich könnte hinter der nächsten Ecke das Motiv des Jahres lauern. Und ausgerechnet dann hat man natürlich die falsche Brennweite montiert. Ein fotografischer Albtraum!

Für unseren Kurzurlaub auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst wollte ich es diesmal wissen. Schluss mit der Schlepperei, Schluss mit der ständigen Objektivwahl und vor allem Schluss mit dem Gedanken, für jede Eventualität gerüstet sein zu müssen.

Die selbst auferlegte Beschränkung: eine Leica M11-P und drei Voigtländer-Festbrennweiten. Mit 28, 50 und 75 mm sollte ich doch eigentlich für alles gewappnet sein. Oder etwa nicht?

Vier Nächte in Zingst

Für vier Nächte hatten wir uns in Zingst einquartiert. Warum ausgerechnet Zingst? Ganz einfach: Der Ort bietet genügend Möglichkeiten zum Einkaufen, zum Essen gehen und für alles, was man im Urlaub sonst noch so braucht. Man möchte schließlich nicht jeden Abend auf die Suche nach einem geöffneten Restaurant gehen oder für jede Kleinigkeit ins Auto steigen müssen.

Bei schönstem Wetter machten wir uns auf den Weg gen Norden. In Prerow legten wir noch einen kurzen Zwischenstopp ein, bevor es weiter nach Zingst ging. Am Abend stand dann die erste kleine Ortsbesichtigung auf dem Programm – natürlich einschließlich eines Abstechers zur Seebrücke.

Dort wurde schnell klar: Wir waren mit unserer Idee, die Herbstferien an der Ostsee zu verbringen, keineswegs allein. Offenbar hatten auch zahlreiche andere Menschen beschlossen, dass ein paar Tage Meeresluft genau das Richtige wären.

Wir hatten ziemlich kurzfristig gebucht. Der Wetter-App vertrauten wir dabei blindlings – oder zumindest so weit, wie man einer Wetter-App eben vertrauen kann. Schließlich versprach sie überwiegend freundliches Wetter. Was sollte da schon schiefgehen?

Nun ja, um es vorwegzunehmen: Die App lag daneben. Und zwar nicht nur ein bisschen. Sie schaffte es nicht einmal zuverlässig, das Wetter für den jeweils folgenden Tag vorherzusagen. Aber gut, wer braucht schon eine verlässliche Wettervorhersage, wenn man eine Leica dabeihat?

Wenn der Wettergott andere Pläne hat

Der versprochene Sonnenschein hielt immerhin bis zum ersten Abend. Danach war Schluss mit dem goldenen Herbstwetter. Der zweite Tag begrüßte uns mit Regen. Nicht gerade das, was man sich für einen Ostseeurlaub bestellt hatte.

Zum Glück hatte der Regen ein Einsehen und hörte auf, als wir in Ahrenshoop ankamen. So konnten wir bei zwar wolkigem, aber trockenem Wetter den Strand erkunden und durch den Ort schlendern.

Und eigentlich ist es ja gar nicht so schlecht, wenn die Sonne einmal Pause macht. Wolken sorgen schließlich für spannende Lichtstimmungen, und am Strand muss es nicht immer das obligatorische Postkartenblau sein. Man muss nur aufhören, dem Wetterbericht hinterherzutrauern, und anfangen, nach Motiven zu suchen. Zumindest theoretisch. Praktisch schaut man natürlich trotzdem gelegentlich auf die Wetter-App.

Am nächsten Tag meinte es der Regen dann wirklich ernst. An eine ausgedehnte Strandwanderung war nicht zu denken. Also änderten wir kurzerhand unsere Pläne und machten uns auf den Weg nach Rostock.

Eine Stadtbesichtigung funktioniert schließlich bei fast jedem Wetter. Und die Rostocker Altstadt hat genügend Sehenswürdigkeiten, interessante Ecken und Einkaufsmöglichkeiten zu bieten, um auch einen verregneten Urlaubstag sinnvoll zu füllen. Außerdem lässt sich in der Stadt leichter ein trockenes Plätzchen für eine kleine Pause finden als draußen am Strand.

Weststrand statt Sonnenuntergang

Am dritten vollen Urlaubstag zog es uns wieder hinaus in die Natur. Eine ausgedehnte Wanderung am Weststrand stand auf dem Programm, anschließend schauten wir noch kurz in Wustrow vorbei.

Der Weststrand gehört für mich zu den Orten, an denen man einfach loslaufen und die Umgebung auf sich wirken lassen kann. Wind, Wasser, Strand und die besondere Landschaft des Darß bieten genügend Möglichkeiten, die Kamera in Bewegung zu halten. Und wenn man sich erst einmal auf seine Umgebung einlässt, entdeckt man auch ohne ständiges Wechseln der Brennweite genügend interessante Motive.

Für den Abend hatten wir uns noch einen schönen Sonnenuntergang erhofft. Die Wetter-App hatte schließlich wieder einmal etwas versprochen. Doch wie sollte es anders sein: Der Sonnenuntergang fiel aus – zumindest in der von uns gewünschten Form. Langsam hätte man auf die Idee kommen können, dass die App und wir unterschiedliche Vorstellungen von einem gelungenen Urlaub hatten.

Dafür wurden wir beim Abendessen in Prerow mehr als entschädigt. Man kann schließlich nicht jeden Abend mit spektakulären Farben am Himmel verbringen. Ein gutes Essen ist manchmal auch eine ziemlich überzeugende Alternative.

Ein letzter Zwischenstopp in Malchow

Auf der Rückfahrt legten wir noch einen kurzen Halt in Malchow ein. Die hübsche Inselstadt im Süden Mecklenburgs bot sich geradezu für einen kleinen Stadtrundgang an.

Ein schöner Abschluss unserer Reise, bevor es endgültig nach Hause ging. Und natürlich gab es auch hier noch das eine oder andere Motiv, das auf die Speicherkarte wollte. Schließlich hatte ich ja nur drei Festbrennweiten dabei – da musste man die verbliebene Speicherkapazität wenigstens ordentlich nutzen!

Und was wurde aus dem Leica-Experiment?

Kommen wir zur eigentlichen Frage: Hat es funktioniert, mit nur einer Kamera und drei Festbrennweiten in den Urlaub zu fahren?

Die Antwort lautet ganz klar: Ja! Und zwar besser als gedacht.

Die Ausrüstung war für diesen Kurzurlaub mehr als ausreichend. Allerdings muss ich gestehen, dass zwei der drei Objektive den Großteil der Arbeit erledigten: das Voigtländer 28 mm Nokton und das Voigtländer 50 mm Apo-Lanthar. Das 28er ist ohnehin mein bevorzugtes Immerdrauf-Objektiv und kam entsprechend häufig zum Einsatz.

Das 75er durfte sich dagegen weitgehend ausruhen. Es war zwar dabei, musste aber nicht unbedingt beweisen, was es kann. Vielleicht bekommt es beim nächsten Urlaub mehr Gelegenheit dazu.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass man nicht für jedes erdenkliche Motiv die passende Brennweite in der Tasche haben muss. Natürlich gibt es Situationen, in denen ein Zoomobjektiv praktisch wäre. Aber die bewusste Beschränkung hat durchaus ihren Reiz. Man beschäftigt sich intensiver mit dem Motiv, denkt mehr über den Bildausschnitt nach und fotografiert vielleicht sogar ein wenig überlegter.

Und ganz nebenbei schleppt man deutlich weniger Ausrüstung mit sich herum. Auch die Schulter freut sich über solche Entscheidungen!

Mein Fazit: Weniger Ausrüstung bedeutet nicht automatisch weniger fotografische Möglichkeiten. Manchmal ist das Gegenteil der Fall.

Ob ich beim nächsten Urlaub wieder nur mit der Leica und meinen Festbrennweiten unterwegs sein werde? Gut möglich! Ganz ausgeschlossen ist allerdings nicht, dass sich am Ende doch wieder ein zusätzliches Objektiv in die Tasche mogelt. Man kennt sich ja.

Jetzt seid ihr dran: Wie gefällt euch meine fotografische Ausbeute vom Fischland-Darß-Zingst? Und wie haltet ihr es im Urlaub – lieber für alle Eventualitäten gerüstet oder bewusst mit leichtem Gepäck unterwegs?

Viel Spaß beim Anschauen der Bilder!

Schreibe einen Kommentar

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen