F0,95 an der Nikon Z8: Experiment mit Hindernissen

F0,95 an der Nikon Z8: Experiment mit Hindernissen

TTArtisan 50 mm F0,95 APSH – ein lichtstarkes Objektiv an der Nikon Z8

Wer kommt eigentlich auf so eine Idee?

Für meine Leica besitze ich das TTArtisan 50 mm F0,95 APSH. Außerdem habe ich den M-Z-6Bit-Adapter von TTArtisan. Grund genug, das Objektiv einmal an einer Nikon-Kamera auszuprobieren. Warum auch nicht?

Verpackung und Fokuseinstellung

Das Objektiv wird in einer gepolsterten Kunststoffbox geliefert und nicht einfach nur in einem Pappkarton. Was mich allerdings noch mehr erstaunt hat: Zum Lieferumfang gehören ein Werkzeug und eine Anleitung, mit denen sich der Fokus des Objektivs justieren lässt.

Bei meiner Leica M11-P lag die Fokussierung über den Messsucher im Auslieferungszustand tatsächlich deutlich daneben. Über Live-View funktionierte die Scharfstellung dagegen problemlos. Inzwischen habe ich das Objektiv entsprechend justiert, sodass es auch mit dem Messsucher meiner Leica korrekt fokussiert. Allerdings verdeckt das Objektiv fast ein Viertel des Messsucherbildes. Für mich ist der Einsatz an der Leica deshalb nur mit Live-View wirklich sinnvoll.

An der Nikon Z8 sollte dieses Problem keine Rolle spielen, denn hier erfolgt die Bildkontrolle ohnehin über das Display oder den elektronischen Sucher. Ich nutzte daher einen Spaziergang in Petzow, um die Kombination aus Objektiv, Adapter und Nikon Z8 auszuprobieren.

Vorweg: Das hier ist kein wissenschaftlicher Test, sondern ein persönlicher Erfahrungsbericht aus der Praxis.

Eine stattliche Kombination

Mit rund 680 Gramm ist das TTArtisan 50 mm F0,95 APSH kein Leichtgewicht. Auch die Abmessungen von etwa 72 × 87 mm machen deutlich, dass es sich nicht gerade um ein kompaktes Objektiv handelt. An der Nikon Z8 ist es meiner Meinung nach dennoch besser aufgehoben als an der Leica M.

Der Adapter selbst fällt kaum ins Gewicht und baut lediglich etwa einen Zentimeter auf. Insgesamt ergibt sich eine durchaus noch gut tragbare Kombination.

Der Adapter und seine Eigenheiten

Doch wie schlägt sich das Objektiv an der Nikon?

Ich habe es überwiegend bei Offenblende verwendet. Schließlich entscheidet man sich für ein F0,95-Objektiv nicht ohne Grund – die Möglichkeit, mit einer extrem großen Blendenöffnung zu fotografieren, gehört schließlich zu seinen wichtigsten Eigenschaften.

Der TTArtisan-Adapter soll die 6-Bit-Codierung von Leica-M-Objektiven erkennen und die entsprechenden Informationen an die Nikon-Kamera weitergeben. Zusätzlich verfügt er über einen Drehschalter, mit dem sich verschiedene Brennweiten auswählen lassen: 28, 35, 50, 75, 90 und 135 mm. Diese Information wird offenbar an die Kamera übermittelt, damit sie das verwendete Objektiv entsprechend zuordnen kann. Das klingt zunächst sinnvoll. In der Praxis hat diese Konstruktion für mich allerdings einen entscheidenden Nachteil: Der Drehschalter lässt sich leicht versehentlich verstellen, ohne dass man es unbedingt bemerkt.

Während meines Spaziergangs erkannte die Nikon Z8 deshalb plötzlich ganz unterschiedliche Leica-Objektive. Unter anderem wurden mir ein Leica M 28 mm F1.0, ein Elmarit-M 135 mm F2,8 und ein Noctilux-M 50 mm F1,0 angezeigt.

Offenbar führte das teilweise zu Problemen bei der Belichtungssteuerung. Die Kamera schlug mitunter recht eigenwillige Kombinationen aus Belichtungszeit und ISO-Wert vor. Auch die Darstellung im Live-View war zeitweise völlig über- oder unterbelichtet, obwohl die gewählten Einstellungen eine solche Darstellung nicht erwarten ließen.

Das machte das Fotografieren unnötig kompliziert. Schließlich möchte ich mich beim Fotografieren auf mein Motiv konzentrieren und nicht ständig kontrollieren müssen, ob der Adapter der Kamera gerade das richtige Objektiv vorgaukelt.

Bildqualität: F0,95 ist nicht gleich scharf

Natürlich kann man mit dieser Kombination fotografieren. Die entscheidende Frage ist allerdings, wie sich das TTArtisan bei seiner größten Blendenöffnung schlägt.

Bei F0,95 ist die Abbildungsleistung ausgesprochen weich. Gleichzeitig fällt es mir selbst mit den Fokushilfen der Nikon Z8 schwer, den gewünschten Schärfepunkt zuverlässig zu treffen. Gerade bei einer derart geringen Schärfentiefe macht sich das deutlich bemerkbar. Blendet man auf F2,8 oder weiter ab, verbessert sich die Situation spürbar. Die Schärfe ist dann für meinen Geschmack durchaus ausreichend. Allerdings stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Kauft man sich ein Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von F0,95, um es anschließend um fast drei Blendenstufen abzublenden?

Ein Teil der Probleme könnte durchaus auf den verwendeten Adapter zurückzuführen sein. Da mir kein Vergleichsadapter zur Verfügung steht, kann ich das allerdings weder bestätigen noch ausschließen. Hinzu kommen bei Offenblende ausgeprägte chromatische Aberrationen. Durch Abblenden lassen sich diese zwar reduzieren, verschwinden aber nicht allein deshalb aus der Welt.

Mein Fazit: Ein Versuch mit überschaubarem Erfolg

Was bleibt also von meinem Spaziergang durch Petzow?

Die Kombination aus TTArtisan 50 mm F0,95 APSH, M-Z-6Bit-Adapter und Nikon Z8 ergibt für mich in der derzeitigen Konfiguration wenig Sinn.

Das größte Ärgernis ist der leicht verstellbare Drehschalter des Adapters. Wenn die Kamera dadurch immer wieder von einem anderen Objektiv ausgeht, wird das Fotografieren unnötig unzuverlässig. Hinzu kommt die eher enttäuschende Bildqualität bei Offenblende, die für mich gerade den Reiz dieses Objektivs ausmacht.

Natürlich lassen sich mit der Kombination durchaus brauchbare Fotos machen. Für mich überwiegen derzeit jedoch die Nachteile.

Ganz abschreiben möchte ich das Experiment noch nicht. Bei Gelegenheit werde ich das Objektiv mit einem anderen Adapter ausprobieren. Vielleicht besorge ich mir auch noch ein vergleichbares Objektiv eines anderen Herstellers, um einen besseren Eindruck davon zu bekommen, was mit einer solchen Kombination tatsächlich möglich ist.

Bis dahin bleibt für mich die Erkenntnis: Nur weil sich zwei Komponenten mechanisch miteinander verbinden lassen, ergibt das noch lange keine überzeugende fotografische Kombination.

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