Habe ich eine Kamera zu viel?

Habe ich eine Kamera zu viel?

(Und warum es ausgerechnet die modernste trifft)

Machen Kameras glücklich? Eigentlich dachte ich ja. Aber seit der Erwerb meiner Leica meinen Workflow komplett umgekrempelt hat, blicke ich mit ganz anderen Augen auf meine Ausrüstung. Die alten Nikon-DSLRs, die M3 und die Olympus E-M5 dürfen in der Vitrine weiterschlafen – sie haben ihre Schuldigkeit getan und stehen außerhalb jeder Diskussion.

Das echte Drama spielt sich bei meinen Arbeitsgeräten ab. Nach dem Auszug der Z5 und der Z6 II dachte ich eigentlich, mein Setup sei perfekt. Doch heute stehen da immer noch: Z8, Z7, Z6 III und die Zf. Vier Kameras. Und die ehrliche Erkenntnis: Eine davon hat keine Seele für mich…
Gehen wir das Ganze mal logisch durch.

Die Z8: Die Perfektionsmaschine

Die Z8 ist mein unerschütterliches Werkzeug fürs Grobe. Wenn der Hund rennt oder Vögel im Tiefflug vorbeiziehen, gibt es keine Experimente: Die Z8 und das 100-400mm kommen mit. Ich muss vorher wissen, was ich vorhabe, denn für den spontanen Spaziergang ist sie mir zu wuchtig.
Sie ist aber auch meine Lebensversicherung bei schlechtem Wetter, wenn die manuellen Linsen zu Hause bleiben müssen. Bestückt mit dem 24-120mm oder dem Tamron 35-150mm liefert sie kompromisslos ab – wobei der hauseigene Autofokus des 24-120mm beim rennenden Hund gefühlt sogar noch einen Tick treffsicherer zupackt. Mit der Z8 herrscht absolute Gewissheit: 95 % der Bilder sitzen technisch perfekt. Das ist keine Romantik, das ist pure, verlässliche Leistung.

Die Zf mit dem Voigtländer 35mm Color-Skopar für Leica M

Die Zf: Pure Emotion und Entschleunigung

Die Zf dagegen ist reiner Kult. Jedes Mal, wenn ich sie anwähle, sehe ich meine alte FM2n vor mir – auch wenn die Zf etwas kräftiger gebaut ist. Sie ist die perfekte Brücke zwischen gestern und heute. Wenn ich die manuellen Voigtländer-Objektive oder alte Schätze wie das Helios und Takumar anflansche, erwacht der pure Fotospaß. Dank der modernen Fokushilfen wird das manuelle Scharfstellen zum Genuss.

Perfekt ist sie nicht: Die 24 Megapixel begrenzen manchmal den Drang nach Details, und das Klapp-Schwenkdisplay nervt am normalen Kameragurt so sehr, dass ich es meistens gleich eingeklappt lasse. Aber mit ein, zwei kleinen Festbrennweiten ist sie meine tägliche Begleiterin. Und zur Not zeigt sie auch mit dem Autofokus des 24-120mm, was in ihr steckt. Die Zf nimmt man nicht wegen der Specs mit, sondern wegen des Gefühls.

Aufgenommen mit der Z7 und dem Voigtländer Nokton 40mm 1.2 für NIkon

Die Z7: Das unterschätzte Sensor-Wunder

Die Z7 kam 2018 auf den Markt. Glaubt man den Foren-Gurus, ist ihr Autofokus heute quasi unbrauchbar. Was für ein Unsinn. Natürlich zieht sie nicht mit einer Z8 gleich, aber für die Praxis reicht es dicke.

Früher war sie meine Urlaubs-Ergänzung zur Z8. Doch meine Fotografie hat sich radikal verändert: Ich fotografiere fast nur noch mit Festbrennweiten, am liebsten mit den manuellen Noktons von Voigtländer (28mm, 40mm und 75mm). An den 45 Megapixeln der Z7 laufen diese Linsen zu absoluter Höchstform auf. Die Bildqualität ist schlicht fantastisch, ein echter Genuss für Detail-Verliebte. Und das Beste: Dank der elektronischen Kontakte der Voigtländer-Objektive färbt sich das Fokusfeld grün, sobald der Fokus sitzt. Die Z7 hat eine neue, wundervolle Berufung gefunden. Sie bleibt.

Das Luxusproblem: Die Z6 III

Und genau hier bricht mein System zusammen. Was fange ich mit der Z6 III an?

Technisch ist sie ein absolutes Brett. Sie ist moderner als die Z7 und die Zf, der Autofokus nagelt jedes Motiv fest, und ihr Sucher ist der beste und brillanteste, den ich je erleben durfte. Und trotzdem? Bleibt sie fast immer im Schrank.

Für den schnellen, leichten Ausflug ist der Gewichtsunterschied zur mächtigen Z8 einfach zu gering. Dazu kommt dieses identische, unpraktische Schwenkdisplay, das mich schon an der Zf stört. Die Z6 III hat alles, was eine perfekte Kamera braucht – nur eben keinen Platz in meinem Herzen und meinem Workflow. Sie ist fantastisch, aber in meinem Setup schlicht redundant.

Sobald ein gutes Angebot um die Ecke kommt, darf sie einen neuen Besitzer glücklich machen. Bis dahin halte ich sie einsatzbereit. Und lebe mit dem bittersüßen Gefühl, eine Kamera zu viel zu haben.

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