Die Nikon D800 im Arbeitsalltag

Die Nikon D800 im Arbeitsalltag

Ein 36-Megapixel-Kraftpaket im Langzeittest

Nachdem ich die D700 vor Kurzem für ein paar Tage als alleinige Kamera genutzt habe, durfte mich diese Woche ihr legendärer Nachfolger im Arbeitsalltag begleiten: die Nikon D800.

Als sie im März 2012 auf den Markt kam, brach in der Fotowelt eine regelrechte Diskussion los. Statt der gewohnten 12 Megapixel der D700 bot die D800 plötzlich 36 Megapixel und war damit die höchstauflösende DSLR ihrer Zeit. Ich kann mich noch gut an die Skepsis in den Foren erinnern: „Die Dateien sind viel zu groß, da brechen die Rechner zusammen!“, „Ohne Stativ verwackelt man jedes Bild!“ oder „Kaum ein Objektiv kann diese enorme Auflösung überhaupt abbilden!“

Ich selbst hatte die D800 seit Anfang 2014 als Ergänzung zu meiner Nikon D600 im Einsatz. Die ganzen Bedenken der Anfangszeit erwiesen sich schnell als Nonsens. Das Fotografieren war nicht aufwendiger als mit der D700, und mein Rechner streikte wegen der Datenmengen keineswegs. Die Auflösung hingegen war und ist ein Traum: Sie bietet nicht nur enormes Croppotential, sondern machte vor allem bei Makroaufnahmen Details sichtbar, die ich mit bloßem Auge gar nicht wahrgenommen hätte.

Nun sind weitere zwölf Jahre vergangen und viele Kameras gingen seitdem durch meine Hände. Nachdem die D700 bereits bewiesen hat, dass sie im heutigen Alltag noch absolut brauchbar ist, stellte sich mir die Frage: Warum sollte das bei der D800 anders sein? Für meinen Wochentest entschied ich mich wieder für vier Objektive – eins für jeden Tag.

Montag: Der unterschätzte Allrounder (AF-S NIKKOR 24-85mm f/3.5-4.5G ED VR)

Obwohl – oder gerade weil – ich in letzter Zeit eigentlich fast nur noch Festbrennweiten nutze, ging es mit dem 24-85mm los. Eine klassische „Kit-Linse“, die schon bei ihrem Erscheinen im Jahr 2012 recht erschwinglich war. Ich hatte das Objektiv 2013 zusammen mit meiner D600 erworben.

Die Schärfe hat mich von Anfang an überzeugt. Zudem ist das Objektiv leicht und handlich – vor allem im direkten Vergleich zu einem klobigen 24-70mm f/2.8. Es ist keineswegs nur für Consumer-Kameras zu empfehlen; wer ein Zoomobjektiv sucht, kann es wunderbar als „Immerdrauf“ an höher auflösenden Gehäusen wie der D800 nutzen. Die geringere Lichtstärke kann in Kombination mit älteren Sensoren bei wenig Licht natürlich zum Engpass werden. Für Aufnahmen bei Tageslicht – und ohne den Anspruch auf ein extrem freigestelltes Bokeh – ist das jedoch völlig unerheblich.

Dienstag: Der treue Klassiker (AF-S NIKKOR 50mm f/1.8G)

Am Dienstag ging es mit der 50er-Festbrennweite weiter. Das Objektiv hatte schon an der D700 eine hervorragende Figur gemacht, und an der D800 war das nicht anders. Es ist universell einsetzbar – egal ob für Detailausschnitte, Porträts oder Gruppenaufnahmen.

Auch wegen des extrem geringen Gewichts eignet sich das 50mm-Objektiv perfekt als leichtes „Immerdrauf“ für die D800. Der Autofokus arbeitet schnell und treffsicher, und das Gegenlichtverhalten ist für mein Empfinden sehr gut. Dieses Objektiv verdient nach wie vor eine uneingeschränkte Empfehlung.

Mittwoch & Donnerstag: Der Favorit für den Job (AF-S NIKKOR 35mm 1:1.8G ED)

Die Wochenmitte gehörte zwei Tage lang dem 35mm f/1.8G für das FX-Format. Es ist zwar etwas größer und schwerer als das 50er, aber immer noch sehr handlich. Rein vom Bauchgefühl her liegt mir die 35mm-Brennweite einfach mehr als die 50mm.

Man bekommt schlichtweg mehr auf das Bild, was mir besonders bei der Fotografie auf der Baustelle sehr entgegenkommt. In allen anderen Bereichen gleicht das Objektiv der Performance des 50ers. Falls ich in Zukunft wieder öfter mit den älteren DSLRs losziehe, wird mich dieses 35er definitiv begleiten.

Freitag: Vintage-Charme an 36 Megapixeln (Sigma 28mm f/2.8 Mini-Wide II)

Der letzte Tag war einer manuellen Perle vorbehalten: dem Sigma 28mm f/2.8 Mini-Wide II. Dieses rund 40 Jahre alte Objektiv sollte sich an den modernen 36 Megapixeln beweisen. Was soll ich sagen? Auch mit der hohen Auflösung hat das Schätzchen überhaupt kein Problem.

Wie schon an der D700 zeigte es lediglich im direkten Gegenlicht Schwächen – hier wurde der Kontrast recht flau. Bei optimalen Lichtverhältnissen liefert das Objektiv jedoch tolle Ergebnisse. Auch das Handling an der D800 ist top. Durch seine kompakten Maße fällt es an dem wuchtigen Gehäuse kaum ins Gewicht; ob es nun montiert ist oder nicht, macht vom Tragegefühl her kaum einen Unterschied.

Mein Fazit: Gehört die D800 zum alten Eisen?

Die D800 hat im Zusammenspiel mit allen vier Objektiven bewiesen, dass sie auch heute noch eine absolut alltagstaugliche Kamera ist. Die Auflösung von 36 Megapixeln ist für moderne Ansprüche mehr als ausreichend und liefert fantastische Details.

Das hohe Eigengewicht der Kamera von rund einem Kilogramm ist nach heutigen DSLM-Maßstäben zwar nicht mehr ganz zeitgemäß, in Kombination mit leichten Objektiven aber absolut kein Problem. Man sollte sie vielleicht nicht unbedingt stundenlang an einer einfachen Handschlaufe tragen – an einem vernünftigen Schultergurt verteilt sich das Gewicht jedoch wunderbar. Kurzum: Wenn ich nicht noch einige andere, modernere Kameras im Schrank hätte, gäbe es absolut keinen Grund, die D800 in der Vitrine einstauben zu lassen.

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