Ein Berliner Lichtermeer im Messsucher-Test
Auch 2026 verwandelte das Festival of Lights Berlin wieder in eine riesige Open-Air-Galerie. Die mittlerweile 22. Ausgabe stand in diesem Jahr unter dem passenden Motto „Colours of Love“. Wie schon in den vergangenen Jahren habe ich mir einen Abend Zeit genommen, um die Lichtkunstwerke zu bewundern – und natürlich war die Kamera im Gepäck. Diesmal stand der Trip allerdings unter einem besonderen Stern: Ich habe mich für die Leica M11-P entschieden. Ein echtes Abenteuer für mich, denn noch nie zuvor habe ich das Festival ausschließlich mit Festbrennweiten und manuellem Fokus fotografiert.
Das Setup: Weniger ist manchmal zu viel
Im Rucksack hatte ich eigentlich drei Objektive: das Voigtländer 21mm Ultron f/1.8, das 28mm Nokton f/1.5 und das Voigtländer 50mm Apo-Lanthar f/2.0. Rückblickend war das eindeutig zu viel Ballast. Ich startete zwar mit dem 28er, wechselte dann aber sehr schnell auf das 21er Ultron. Und genau diese Ultraweitwinkel-Linse blieb schließlich den restlichen Abend auf der Kamera.
Mein Plan war der Klassiker: Start am Alexanderplatz, vorbei am Berliner Dom, über den Bebelplatz und das Konzerthaus hin zum Brandenburger Tor, mit dem Potsdamer Platz als Abschluss. Da ich etwas zu früh in der Stadt war, nutzte ich die blaue Stunde vor dem offiziellen Start für eine entspannte Aufwärmrunde rund um das Nikolaiviertel.
Der Start: 19:00 Uhr, die Lichter gehen an
Pünktlich um 19:00 Uhr knipste Berlin das Licht an. Nach einem ersten kreativen Blick hoch zum Fernsehturm zog es mich durch das Nikolaiviertel zum Berliner Dom. Das spätsommerliche Prachtwetter lockte riesige Menschenmassen an – schon zu dieser frühen Stunde war es brechend voll. Doch genau das machte den Reiz aus: Nicht nur die Illuminationen selbst waren ein Motiv, sondern auch das trubelige Leben drumherum.
Vom Dom aus führte mich mein Weg weiter zum geschichtsträchtigen Bebelplatz. Die Juristische Fakultät, die Staatsoper, die Sankt Hedwigs-Kathedrale und das Hotel de Rome zogen die Besucher mit ihren monumentalen Projektionen magisch an. Hier war an den Einsatz eines Stativs überhaupt nicht zu denken. Also hieß es: Kamera fest in beide Hände nehmen und komplett frei Hand fotografieren.
Weiter ging es zum Konzerthaus am Gendarmenmarkt, das wie gewohnt mit einer grandiosen Videoshow aufwartete. Hier bot sich endlich der Platz fürs Stativ. Aufgrund der schnellen Bildwechsel der Projektion musste ich die Belichtungszeit jedoch bewusst kurz halten, um die Motive nicht zu verwischen.
Die Herausforderung am Brandenburger Tor
Über die Prachtstraße Unter den Linden steuerte ich das Brandenburger Tor an. Der Andrang hier war erwartungsgemäß enorm. Die Videoshow flashte wie jedes Jahr, stellte mich fotografisch aber vor eine echte Herausforderung: Dynamische Projektionen in absoluter Dunkelheit erzwingen kurze Verschlusszeiten – und das treibt die ISO-Werte in die Höhe. Die Leica schlägt sich hier bis ISO 8000 erstaunlich wacker. Alles, was darüber liegt, verliert allerdings selbst nach der Rettung durch moderne Entrauschungs-Software etwas an Zeichnung und wirkt mir persönlich zu „glattgebügelt“.
Vom Brandenburger Tor wanderte ich schließlich weiter zum Potsdamer Platz. Und wie schon im letzten Jahr schoss mir sofort Loriots legendärer Satz in den Kopf: „Früher war mehr Lametta!“ Obwohl es gefühlt deutlich weniger Lichtinstallationen als in den Anfangsjahren des Festivals gab, war der Platz gut besucht. Vor allem die jüngere Generation nutzte die bunten Kulissen intensiv für ihre Model-Posen auf TikTok und Co.
Zum Abschluss ging es zurück zum Alex, wo mein Auto auf mich wartete.
Mein Fazit
Obwohl ich mein Setup im Vorfeld reduzieren wollte, hatte ich immer noch zu viel Ausrüstung dabei. Effektiv habe ich fast ausschließlich mit dem 21mm Ultron fotografiert. Das Stativ war für die statischen Motive extrem nützlich – vorausgesetzt, die Menschenmassen ließen den Platz dafür.
Die Leica M11-P hat sich im harten Nachteinsatz absolut bewährt. Im Nachhinein habe ich kein einziges Mal ein Zoomobjektiv vermisst. Ein Autofokus hätte mir in manchen Momenten zwar das Leben erleichtert, aber das manuelle Arbeiten entschleunigt eben auch. An den Messsucher habe ich mich zwar gewöhnt, bei der Dunkelheit und dem extremen Weitwinkel habe ich dann aber doch lieber den elektronischen Aufstecksucher (Visoflex) genutzt. Die Arbeit mit dem Fokuspeaking ist für mich zwar immer noch etwas ungewohnt, aber das 21er ist hier sehr fehlerverzeihend: Ab Blende 5.6 ist ohnehin fast alles von vorn bis hinten scharf.
Es war ein anstrengender, aber unglaublich inspirierender Abend. Ich hoffe, euch gefallen die Ergebnisse!
